Van Gogh Beneath the Bandage
Van Gogh Beneath the Bandage
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Dieses Porträt zeigt Vincent van Gogh in der Stille, die auf eine Krise folgt: den Verband eng um den Kopf gewickelt, einen schweren Mantel hochgezogen gegen die Kälte, den Blick irgendwo knapp über den Betrachter hinaus gerichtet, mit jener suchenden Intensität, die die Welt aus seinen Selbstporträts kennt. Es ist das Gesicht, das die Geschichte sich merkt, festgehalten in dem genauen Moment, in dem es am menschlichsten wird.
Die Geschichte hinter dem Verband ist eine der am häufigsten erzählten in der Kunstgeschichte, doch wird sie fast nie so genau betrachtet. Hier existiert jedes Haar der Pelzmütze, jede Falte des Mantels, jede in die Stirn gegriffene Linie nur deshalb, weil Material entfernt, nicht hinzugefügt wurde. Keine Farbe. Kein Druck. Keine Tinte. Das Porträt ist ausschließlich aus kontrollierten Kratzern aufgebaut, die in Acrylglas gearbeitet wurden.
Aus der anderen Seite eines Raumes fügt sich das Bild zu etwas Ruhigem und beinahe Monumentalem zusammen, einem Mann, der sich fasst trotz allem, was er trägt. Tritt man näher heran, weicht diese Ruhe einem dichten Feld kontrollierter Oberflächenschäden, einer Landschaft feiner Markierungen, die sich erst dann wieder zu einem Gesicht auflöst, wenn man einen Schritt zurücktritt.
Das Porträt ist stets sichtbar, mit oder ohne gerichtetes Licht. Doch Licht ist ihm gegenüber nie gleichgültig. Während es sich verändert, fangen die Kratzer es auf und reflektieren es, der Kontrast vertieft sich, und sowohl der Verband als auch der Blick scheinen sich zu schärfen. Licht erschafft dieses Bild nicht. Es schärft, was bereits vorhanden ist.
Was sich unter dem Verband befindet, ist das eigentliche Sujet: nicht die Wunde selbst, sondern die Entscheidung, damit gesehen zu werden. Nichts hier ist verborgen oder abgemildert. Der Schaden wird offen getragen, im Mann wie im Material, und diese Ähnlichkeit wird zum stillen Mittelpunkt des Werkes.
Dieses Werk setzt die Art with Scratch-Serie von Tijs Dragtsma fort, in der Bildwelten durch kontrollierte Oberflächenschäden statt durch Pigment oder Druck aufgebaut werden, und in der eine Wunde, offen getragen, zur eigentlichen Struktur wird, die ein Bild zusammenhält.
"Schaden ist keine Zerstörung. Er ist Struktur."
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