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Severity Made Tender

Severity Made Tender

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Es gibt eine Art Zärtlichkeit, die sich nicht ankündigt. Sie gibt nicht nach, neigt sich nicht dem Licht zu und sucht keine Anerkennung. Sie findet sich in Gelassenheit zurecht, so wie Wärme sich unter schwerem Stoff niederlässt, vorhanden und spürbar, aber nach außen hin nichts anbietend. Im niederländischen Goldenen Zeitalter trugen Frauen diese Eigenschaft als Tatsache des Überlebens. Nicht als Vorstellung. Nicht als Rüstung. Das angesammelte Gewicht von Jahrzehnten, die in Zurückhaltung, in Pflicht und in jener besonderen Würde verbracht wurden, die denen gehört, die nie ihre Stimme erhoben.

Sie steht in einem absoluten Schwarz. Das dunkle Kleid löst sich ohne Widerstand, ohne Grenze in das umgebende Nichts auf, nur die langsame Auflösung einer Dunkelheit in eine andere. Aus diesem Verschwinden erhebt sich ihr Gesicht. Ein einzelnes gerichtetes Licht fällt mit der gezielten Präzision darauf, die die niederländischen Meister verstanden: ohne alles zu erhellen, nur das, was zählte. Ihr Ausdruck enthält nichts, was nicht gewählt wurde. Ihre Haltung ist vollständig.

Am Hals hält ein Spitzenkragen seine Helligkeit mit stiller Beharrlichkeit. Es ist die einzige Konzession an die Zartheit in einer ansonsten strengen Komposition, mit Bedacht dort platziert, und er sagt alles darüber, wer sie ist. Die Strenge ist die Struktur. Die Zärtlichkeit ist das Detail, das darin überlebt.

Keine Farbe hat diese Figur erschaffen. Keine Tinte, kein Druck. Sie existiert, weil die Oberfläche des Acrylglases kontrollierten Oberflächenschäden ausgesetzt wurde, jede Markierung so positioniert, dass das Licht zur Variablen wird und der Betrachter Teil dessen wird, was enthüllt wird. Aus der Ferne präsentiert sich das Werk als vollständiges und monumentales Porträt. Aus der Nähe wird es zu einem Feld von kontrollierten Kratzern, einer Oberfläche, die so lange verändert wurde, bis aus dem, was entfernt worden war, etwas entstand.

Das Licht bleibt nicht fest. Wenn der Betrachter sich um das Werk bewegt, verschiebt sich die Figur zwischen Tiefe und Zurückhaltung, zwischen Schärfe und Weichheit. Die Strenge hält stand. Die Zärtlichkeit darin hält stand. Der Titel ist keine Interpretation. Er ist eine Beschreibung.

Severity Made Tender gehört zu Dutch Glory, einer Serie innerhalb von Art with Scratch von Tijs Dragtsma, in der Bildmotive durch kontrollierte Oberflächenschäden statt durch Pigmente oder Druck aufgebaut werden, und in der eben diese Schäden zu einem Weg werden, die menschlichen Gesichter hinter einer Ära des Wohlstands zurückzugewinnen, die Zurückhaltenden, die Würdevollen, die Verwitterten, jene, deren Gelassenheit eine Welt trug.

„Eine visuelle Sprache, in der Beschädigung keine Zerstörung ist, sondern Struktur."

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