Lincoln in the Blue Hour
Lincoln in the Blue Hour
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Lincoln in the Blue Hour bringt eine der bekanntesten Silhouetten der Geschichte in tiefblaues farbiges Spiegelglas, den hohen Zylinderhut und das hagere, bärtige Profil, gehalten nicht durch Farbe oder Tinte, sondern durch ein Feld einzelner Kratzer, die in die Oberfläche selbst eingeritzt sind.
Das Gesicht ist nicht auf das Glas gedruckt, es ist ihm entnommen, durch Entfernung statt durch Hinzufügung geformt, sodass das, was das Auge als Licht wahrnimmt, in Wirklichkeit die Oberfläche ist, die es auffängt und zurückwirft. Aus der Nähe löst sich das Porträt in ein Feld feiner Kratzer auf, als nichts anderes als Textur lesbar, und erst aus der Distanz kehrt Lincoln zurück, monumental und still.
Blau ist die Farbe der Dämmerung, der Ferne, der Stunde, in der ein vertrautes Gesicht beginnt, in Erinnerung statt in Tatsache zu versinken, und hier umhüllt es einen Präsidenten, dessen Abbild so oft kopiert wurde, dass der Mann selbst fast abstrakt wirken kann. Die Kratzer bewahren gerade genug, die Stirn, den Bart, das Gewicht in den Augen, um ihn gegenwärtig zu halten, ohne so zu tun, als hielten sie den ganzen Mann.
Um dieses Gesicht herum und durch es hindurch erscheint der Raum selbst, Wände, Leuchten, der Besucher, der vor dem Werk steht, alles gefaltet in die blaue Tiefe des Glases. Der Betrachter schaut nie einfach auf Lincoln, er steht im selben gespiegelten Raum wie er und teilt kurz seinen Rahmen.
Licht erschafft dieses Bild nicht. Es schärft es. Das Porträt ist stets in der Oberfläche präsent, und unter gerichtetem Licht greifen die Kratzer und der Kontrast vertieft sich, doch hier erscheint oder verschwindet nichts, nur der Raum darum herum verändert sich fortwährend, während der Mann selbst im Blau verankert bleibt.
Lincoln in the Blue Hour setzt die Art on Mirror-Serie von Tijs Dragtsma fort, in der gekratzte Bildmotive in farbiges Spiegelglas eingebettet sind und der Betrachter Teil des Werkes wird. Eine visuelle Sprache, in der Beschädigung keine Zerstörung ist, sondern Struktur, und in der der Spiegel das Betrachten in Teilnehmen verwandelt.
"Manche Gesichter werden nicht erinnert, sie werden festgehalten."
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