Beyond Sensation
Beyond Sensation
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Ein Gesicht taucht aus vollständiger Dunkelheit auf. Nicht gemalt. Nicht gedruckt. Nicht aus Farbe oder Linie aufgebaut. Das Bild existiert, weil die Oberfläche des Acrylglases durch kontrollierte Oberflächenbeschädigung verändert wurde und das Licht je nach Standort unterschiedlich einfängt.
Das Motiv befindet sich am Rand des Gefühls. Augen geschlossen. Der Kopf leicht gesenkt, als hätte das Gewicht einer inneren Erfahrung fast körperliche Form angenommen. Die Gesichtsmuskeln sind angespannt, nicht vor Schmerz, sondern unter dem vollen, stillen Druck eines Moments, der zu groß für Worte ist. So sieht reine Empfindung aus, wenn sie keinen Raum mehr hat, sich auszudehnen.
Ein einziges Licht fällt von oben und meißelt das Gesicht aus der umgebenden Schwärze heraus. Nichts lenkt ab. Kein Hintergrund konkurriert. Nur das Gesicht und das Nichts, aus dem es aufsteigt. Dieser Kontrast ist nicht nur visuell. Er trägt emotionales Gewicht. Was das Licht enthüllt, hat die Dunkelheit festgehalten.
Aus der Ferne betrachtet ist die Figur monumental und still. Tritt man näher heran, wird die Oberfläche zu etwas völlig anderem, einem Feld kontrollierter Kratzer auf Acrylglas, von denen jeder das Licht in eine eigene Richtung lenkt. Das Bild verschiebt sich, wenn man sich bewegt. Es bewegt sich zwischen Klarheit und Abwesenheit, zwischen Form und Auflösung, als ob die Empfindung selbst sich dagegen sperrt, in einem einzigen Moment festgehalten zu werden.
Beyond Sensation setzt die Art with Scratch-Serie von Tijs Dragtsma fort, in der Bilder durch kontrollierte Oberflächenbeschädigung anstatt durch Pigment oder Druck konstruiert werden. Das Gesicht erscheint nicht durch Hinzufügen. Es erscheint durch Wegnehmen. Durch auf eine Oberfläche ausgeübten Druck, der Spuren hinterlässt, die zusammen zu etwas werden, das unmöglich zu ignorieren ist.
Es gibt hier eine Schicht, die das Medium auf natürliche Weise trägt. Empfindung auf ihrem Höhepunkt ist nicht sichtbar. Sie lebt in geschlossenen Augen, in der Spannung, in der Hingabe des Ausdrucks an etwas, das größer ist als es selbst. Die Kratzer im Acrylglas tun etwas Ähnliches. Sie sind Druckspuren, die sich zu Präsenz aufbauen. Eine visuelle Sprache, in der Beschädigung keine Zerstörung ist, sondern Struktur.
"Was nicht gezeigt werden kann, wird enthüllt."
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